Der Storchenturm ist das
 Wahrzeichen von Zell am Harmersbach.

 
Er ist schon ein Blickfang für sich. Mit seinen 25 Metern Höhe ist er ein stolzer Zeuge der Vergangenheit des wehrhaften Reichsstädtchens Zell. Zusammen mit der gesamten Stadtbefestigung wurde er um das Jahr 1330 erbaut.

Nur noch der Storchenturm ist erhalten

Die Stadt Zell war ehemals mit zwei starken Mauern, einem breiten Graben, drei Tortürmen (Unter-, Ober- und Kirchtor), dem langen Turm (Storchenturm) und mehreren Flankentürmen bewehrt.

Die Tore waren mit Fallbrücken versehen. Das Untertor vermittelte nach Westen den Ausgang, das Kirchtor nach Norden und das Obertor nach Osten. Im Süden führte beim Storchenturm nur ein schmaler Durchgang aus der Stadt, dem sogenannten Dreibatzenloch. Ober- und Kirchtor wurden schon 1826 abgebrochen, wohingegen das Untertor bis 1879 erhalten blieb. Der Storchenturm ist der einzige bis heute erhaltene Turm.Der Storchenturm ist von quadratischem Grundriss und wurde in schwerem Bruchsteinmauerwerk mit Buckelquadern an den Ecken errichtet. Das oberste Geschoss zeigt Rundbogenfester, darüber befindet sich ein Satteldach mit Walmen an den Giebelseiten.

Reichsadler und „Arme-Sünder-Glocke"

Auf der Südseite ist in halber Turmhöhe ein Stein mit dem Reichsadler angebracht. Dieser Stein zierte einst das Untertor und wurde nach dessen Abriss hier eingefügt. Außerdem wurde nach dem Abriss des Untertors die „Arme-Sünder-Glocke" auf dem Dach des Storchenturms angebracht.

Störche bauten ihr Nest auf dem Turm

Viele Jahre lang bauten sich die im Harmersbachtal in früheren Zeiten recht zahlreich siedelnden Störche auf dem langen Turm ihr Nest. Daher wurde der lange Turm von der Zeller Bevölkerung Storchenturm genannt. Nach der Renovierung des Satteldachs 1991 wurde ein Storchennest auf dem Dach angebracht, in der Hoffnung, dass wieder einmal Störche das Dach des Storchenturms als Brutstätte auswählen. siehe hier

Ein Gang durch unser Museum ist eine Wanderung durch die Geschichte der einst kleinsten freien Reichsstadt  Deutschlands im Laufe vergangener Jahrhunderte. Man begegnet Zeugen aus dem Alltag früherer Bürger und Bauern, wie sie lebten, was sie taten. Das Leben in den Mauern der Stadt wird geschildert, von dem Elend der armen Sünder bei Wasser und Brot im Turmverließ bis zu den des feinen Leuten des reichen Bürgertums hinter den vornehmen Hausfassaden der Stadt. 

Ursprung reicht bis ins Jahr 1938 zurück

Der Ursprung des Zeller Heimatmuseums reicht bis in das Jahr 1938 zurück. Hauptinitiator war damals Franz Disch, der ein Jahr zuvor die erste Chronik der Stadt Zell am Harmersbach verfasst hatte. Das damalige Zeller Museum war in der Alten Kanzlei untergebracht. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Museum geschlossen. 15 Jahre lang ruhten die Zeugnisse ehemaliger Zeller Reichsstadttage auf dem Dachboden des alten Feuerwehrhauses (heutige Eingangshalle des Museums). Auf Druck der zwei Zeller Stadträte Günter Haiss und Josef Kopf wurde das Museum in den Storchenturm verlegt, dem berühmtesten Wahrzeichen Zells. Am 7. August 1960 fand die Eröffnungsfeier statt. Nun war es den Zellern und den immer mehr werdenden Touristen gegönnt, einen Blick auf einstige Zeller Rechtschaffenheit, ausgestorbene Handwerksberufe, ein handgefertigtes Stadtmodell, Feuerspritzen, ein Hungerverlies und vieles, vieles mehr zu werfen.

Bundesverdienstkreuz 

Franz Berger, der damalige Museumsleiter, richtete mit viel Liebe und Mühe das Museum ein und trug allerhand Raritäten und ungeahnte Schätze zusammen, sodass die Anzahl der Einzelstücke auf ein beachtliches Maß anwuchs.1978 wurde Franz Berger für seine Verdienste mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Kurt Kussi bis 2010 Museumsleiter

 Zwei Jahre zuvor, also 1976, konnte Franz Berger aus Altersgründen seine Arbeit als Museumsleiter nicht mehr weiterführen und musste sich um einen Nachfolger kümmern. Hier kam er auf Kurt Kussi, der schon oft beim Kassendienst oder anderen anfallenden Arbeiten geholfen hatte. Auf die Frage Franz Bergers schließlich an seinen auserkorenen Nachfolger: „Würdsch du mi Museum widder führe?", weiß heute jeder wie die Antwort lautete. Auch Kurt Kussi setzte sich voller Elan für das Museum ein, was ihm den Ruf einbrachte: „Der Kurt ist mit zwei Frauen verheiratet: Mit dem Museum und seiner Margarete."

 Museumserweiterung

1991 stand die erste Museumserweiterung ins Haus, die der Stadt keinen Pfennig kostete. Die Rede ist vom alten Feuerwehrhaus, das fünf alten Kutschen, einer Kinomaschine aus dem Besitz der Familie Dörr, einer alten Zeitungsdruckmaschine der Heimatzeitung Schwarzwälder Post und dem Orchestrion Zamba Platz bot. Die notwendigen Ausgaben der Museumserweiterung wurden durch Spenden aus der Bevölkerung getragen.

 Vorreiterrolle in der Museumslandschaft

Kurt Kussis und auch des Zeller Historischen Vereins besonderes Bestreben galt der Erweiterung des Museums um das „Haus Volk", direkt neben den bisherigen Museumsbauten. Zusammen mit vielen engagierten und aufopferungsbereiten Bürgerinnen und Bürger schaffte er ein ganz besonderes Projekt.Innerhalb von eineinhalb Jahren richteten die Helfer in unzähligen ehrenamtlichen Stunden das „Haus Volk" her, und der Museumserweiterung 1997 stand nichts mehr im Wege. Bei der Eröffnungsfeier gab es lobende Worte von Kreisarchivar Dr. Dieter Kauß: „Zell spielt in der Museumslandschaft des Ortenaukreises eine Vorreiterrolle."

Durch diese Museumserweiterung bot sich nun die Gelegenheit, die Bildsteinsammlung, die bisher in der Alten Kanzlei ausgestellt war, in das „Haus Volk" und damit in das Storchenturm-Museum zu verlagern.Eingerichtet mit einer wertvollen Uhren-, Münzen- und Mineralienausstellung erhöhten die neuen Räume die Attraktivität des Museums.

 800 Quadratmeter Ausstellungsfläche

Seither zählt das Zeller Museum zu den größten in der Ortenau und die Umbenennung von „Heimatmuseum Storchenturm" in „Storchenturm-Museum" berechtigt und längst fällig geworden. Der durch die Renovierung des „Haus Volk" zusammengekommene Helferkreis beschloss, auch in Zukunft zusammenzuarbeiten, und das nun über 800 Quadratmeter große Museum mit seinen über 3000 Exponaten auf Vordermann zu halten. Daher wurde der Museumsfreundeskreis „Storchenturm-Museum" gegründet. Museumsleiter Kurt Kussi konnte sich damals mit Hilfe des Freundeskreises einen schon lang gehegten Wunsch erfüllen, nämlich die Tore des Museums in den Sommermonaten täglich zu öffnen.

 Über 200.000 Museumsbesucher

Dass sich die Attraktivität des Museums weit über die Grenzen Zells herumsprach, bestätigen die jährlich hohen Besucherzahlen, und so konnte bereits der 200.000 Besucher seit der offiziellen Besucherzählung im Jahre 1979 begrüßt werden.


Nachtrag vom 1. März 2010:
Kurt Kussi hat sich im Februar 2010 in den Ruhestand zurückgezogen. Die Museumsleitung wurde auf ein Team unter Führung von Heinz Scherzinger übertragen.
 

Nachtwächter

nach oben